Geschichte

Die geographische Lage Gemündens bot sich für die Fischerei geradezu an. Main, Saale und Sinn fließen hier zusammen und waren mit ihrem Fischreichtum der Grund dafür, dass sich bereits in frühester Zeit Fischer ansiedelten.

Einen ersten Hinweis auf diese Fischer findet man im Würzburger Salbuch I. In der Eintragung von 1468 unter der Überschrift "Gemünden - Der Fischerdienst" ist die jährliche Abgabe der Gemündener Fischer an die Obrigkeit geregelt.
Wann genau sich diese Fischer zu einer Zunft zusammenschlossen lässt sich leider nicht mehr feststellen.
Fest steht, dass sich im 12. bis 13. Jahrhundert Bürger und Handwerker in den Städten zu Zünften gruppierten, sich strenge Satzungen gaben und Preise, Arbeitsleistungen, sowie die Lehrlingsausbildung regelten.
Die ersten Hinweise, dass so ein Zusammenschluss in Gemünden existiert findet man in einer Urkunde aus dem Jahre 1567. Hier wird allerdings keine neue Zunft gegründet, sondern eine bestehende mit ihrer Satzung von Fürstbischof Friedrich von Wirsberg bestätigt.
Die Satzung von 1567 regelt die Führung der Zunft, die verschiedenen Dienste innerhalb der Zunft und die Aufnahmebedingungen. Es wurde unter Strafe festgelegt,
dass an Feiertagen nicht gefischt und auch kein Markt besucht werden durfte.
In dieser Satzung wurde ebenfalls festgelegt, dass jeder Fischer, der sich " des Wasser zu Gemünden gebrauchet " im Jahr " Zwey pfundt Vier pfenning" Abgabe zu zahlen hatte. Insgesamt umfasst diese Satzung 25 Punkte, von denen in der heutigen Satzung noch Teile vorhanden sind. Beachtet ein Fischer diese Regeln nicht, so war dies dem Obersten Fischermeister anzuzeigen.

Eine spätere Zunftordnung von 1728 befand sich im Archiv der Stadt Gemünden und wurde im Frühjahr 1945 beim Einmarsch der alliierten Streitkräfte ein Raub der Flammen. In dieser Ordnung wurde ausdrücklich der Zwischenhandel mit Fischen verboten. So sollten die Preise niedrig gehalten werden. 
Jeder Meister durfte nur von ihm selbst gefangene Fische auf den Markt bringen.
Auch war es untersagt mit dem Wurf - oder Breitgarn von Ostern bis Pfingsten zu fischen, oder junge Hechte, Barsche und Karpfen von Ostern bis Bartholomäi (24.August) zu fangen.
Nach einer Chronik von Georg Höfling war die Fischerei in Gemünden am stärksten vertreten. In den Jahren 1582 bis 1584 sind nachweisbar 31 bzw. 32 Fischer in Gemünden ansässig.
Durch den Fischreichtum der drei Flüsse war dieses Gewerbe nicht unbedeutend. Ein großer Teil der Fische wurde nach Würzburg geliefert.
Aber auch nach Frankfurt, Bad Kissingen und Mainz lieferten die Gemündener Fischer ihren Fang.
Die Fische wurden für diesen Transporte in Fischkästen, die an den Schelchen befestigt waren bis zu Ihrem Bestimmungsort gefahren. Es war schon eine enorme Leistung bei Wind und Wetter nur durch Muskelkraft einen Schelch mit 3 angehängten Fischkästen, von denen jeder eine Länge von 3 bis 5 Metern hatte, 
bis nach Würzburg zu bewegen.
Manchmal hatten die Fischer auch Glück und konnten sich an einem Schiff, das flussaufwärts fuhr, anhängen. Später wurden die Fische in Fässern mit der Bahn nach Würzburg gebracht.
Abnehmer waren neben den Bürgern der Stadt Würzburg auch die Gasthäuser. Das Karmelitenkloster in Würzburg wurde jeweils von den Roth`s, 
den so genannten " Dapsers" mit 70 - 80 Pfund Weisfischen beliefert.
Gemündens Fischer waren aber nicht nur mit der Fischerei beschäftigt. In den langen Wintermonaten, wenn die Flüsse zugefroren waren und der Fischfang sich nicht lohnte, wurden Reusen und Körbe aus Weidenruten geflochten. Deshalb findet man in den alten Pfarrbücher die Fischer als " piscator" (Fischer), 
aber auch als " Vietor oder Vitor" dass heißt Korbmacher bezeichnet.
Eine andere wichtige Aufgabe kam den Fischern bei Katastropheneinsätzen zu. In strengen Wintern, wenn sich das Eis an den Brücken staute und so die Stadt bedrohte war es die Aufgabe der Fischer, das Eis unter den Brücken durchzutreiben. Neben dieser sehr gefährlichen Aufgabe übernahmen die Fischer mit ihren Schelchen bei Hochwasser die Versorgung der Menschen in den überfluteten Gebieten.
Hochwasser war und ist in Gemünden nichts Außergewöhnliches. An vielen Häusern findet man Markierungen und Jahreszahlen von solchen Fluten.
In früheren Zeiten war der Main ein breiter, Schnellfliessender Fluss mit einer Wassertiefe von ca. 80-120 cm. Durch die Schifffahrt - zuerst durch die Leinreiter, 
später durch Dampfschiffe, wurde der Main immer mehr aufgestaut und zur Schifffahrtsstraße ausgebaut.
Dies blieb natürlich nicht ohne Folgen für die Fischerei. Wo in früherer Zeit die Fische zu Ihren Laichplätzen in Sinn und Saale aufstiegen, 
wurde der Zug durch Stauvorrichtungen gestört.
So wurde vor der Kanalisierung des Maines im Fürstbistum Franken nur in der Sinn bei Gemünden regelmäßig Lachse gefangen. Durch den so genannten Lachsfängereid wurden die Gemündener Fischer verpflichtet, die Lachse der fürstlichen Küche in Kurmainz und in Würzburg abzuliefern.
Auch der Speierfang (Speierritt) wurde durch den veränderten Fluß unmöglich. Der Speier brachte den Gemündener Fischer gute Erträge. 
Wurde doch aus diesem Fische die berühmten Gemündener Spezialität, der " Steckefisch" zubereitet. Für die Zubereitung besaß die Fischerzunft Gemünden einen eigenen Ofen an der Burgmauer.
Die Fischerei wird heute von den Mitgliedern der Zunft nur noch nebenberuflich ausgeübt. Sie wird zwar durch Motoren, und besseres, haltbareres Material erleichtert,
doch vom einstigen Fischerreichtum des Maines ist nicht mehr viel übrig. Neben der Kanalisierung des Maines hat die Einleitung von Abwässern mit dazu beigetragen, dass viele Fischarten, von denen die Fischer früher lebten nur noch in Restbeständen, wenn überhaupt überlebt haben.
Die Aufgaben der Fischer haben sich auch in den letzten Jahrzehnten sehr verändert.
Sie besteht nicht nur im Fischfang, sondern hauptsächlich in der Artenerhaltung, da viele Fischarten sich nicht mehr in ausreichendem Maße selbst fortpflanzen. Jedes Jahr werden Jungfische und Brut im Wert von vielen tausend Euros eingebracht.
Inzwischen sind viele Kommunen und Städte auf die Umweltprobleme und Belastungen unsere Flüsse aufmerksam geworden. Durch hohe Investitionen versucht man die Wasserqualität zu verbessern. Wir können nur hoffen, dass dies gelingt, um unseren Fischen ein Überleben zu ermöglichen.

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